Dr. Kathrin Schulze
Institut für Erziehungswissenschaft
AG Sozialpädagogik


Georg Forster-Gebäude
Jakob-Welder-Weg 12
Raum 02.415
55128 Mainz

Tel.: +49 6131 39-30840
E-Mail

Arbeitsschwerpunkte

  • Sozialpädagogik unter besonderer Berücksichtigung von gesellschaftlichen Macht-, Ungleichheits- und Differenzverhältnissen
  • Intersektionalität
  • Rassismustheorie und -forschung
  • Antiziganismuskritik in der Sozialpädagogik
  • Qualitative Forschung
  • Ethnographie in sozialpädagogischen Handlungsfeldern

Sprechzeiten Vorlesungszeit/vorlesungsfreie Zeit

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seit 10/2023

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaft, AG Sozialpädagogik, Schwerpunkt Heterogenität und Diversität, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

12/2022 – 10/2023

Vertretung der W3-Professur für Theorie und Empirie der Sozialpädagogik am Institut für Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung und Pädagogik der frühen Kindheit (ISEP), Fakultät Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bildungsforschung der Technischen Universität Dortmund

12/2021 – 12/2022

Akademische Rätin a. Z. am Institut für Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung und Pädagogik der frühen Kindheit (ISEP), Fakultät Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bildungsforschung der Technischen Universität Dortmund

10/2021

Abschluss des Promotionsverfahren [Antiziganismus in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit – Ethnographische Erkundungen des ‚Eigenen‘ im ‚Anderen‘] Erstbetreuer: Prof. Dr. Fabian Kessl, Bergische Universität Wuppertal;
Zweitbetreuerin: Prof.‘in Dr. Gabriele Flößer, Technische Universität Dortmund;
Prädikat: magna cum laude

10/2018 – 11/2021

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung und Pädagogik der frühen Kindheit (ISEP), Arbeitsgebiet Theorie und Empirie der Sozialpädagogik (Prof. Dr. Axel Groenemeyer), Fakultät Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bildungsforschung der Technischen Universität Dortmund

04/2018 – 09/2018

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Essener Kolleg für Geschlechterforschung
(EKfG) an der Universität Duisburg-Essen

04/2015 – 03/2018

Wissenschaftliche Mitarbeiterin im BMBF-Projekt „Psychisch erkrankte Eltern und ihre unbelasteten Kinder in der kommunalen sozialen und gesundheitlichen Versorgung“ am Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik, Fakultät für Bildungswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen, Projektleiter: Prof. Dr. Fabian Kessl

08/2014 – 03/2015 

Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Erziehungswissenschaft,
Abteilung Sozialpädagogik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

04/2011 – 06/2014 

Stipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung im Promotionskolleg „Widersprüche gesellschaftlicher Integration – Zur Transformation Sozialer Arbeit“ am Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik, Fakultät für Bildungswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen

10/2007 – 04/2011

Hauptstudium der Erziehungswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik/Sozialarbeit

10/2004 – 10/2007

Grundstudium der Erziehungswissenschaft an der Universität Trier


2023

Antiziganismus in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit – Ethnographische Erkundungen des ‚Eigenen‘ im ‚Anderen‘. Bielefeld: transcript

2026

i.E.: Inklusive Kinder- und Jugendhilfe. Perspektiven sozial- und sonderpädagogischer Professionalität. Stuttgart: Kohlhammer [mit Alexandra Klein, Stephanie Langer & Bettina Ritter]

2018

Die Arbeit der Geschlechter – neue Wege und tradierte Pfade. Eine Dokumentation der Wissenschaftlerinnenwerkstatt der Hans Böckler-Stiftung. Online unter: DuEPublico [mit Sonja Engel, Marie Frühauf & Janina Glaser]

2017

Widersprüche gesellschaftlicher Integration. Zur Transformation Sozialer Arbeit. Wiesbaden: VS-Verlag [mit Oktay Bilgi und Marie Frühauf]

seit 2013 fortlaufend

Buch-Reihe: Transformation des Sozialen – Transformation Sozialer Arbeit. Wiesbaden: VS-Verlag [Mitherausgeberin als Mitglied des HBS-Promotionskollegs „Widersprüche gesellschaftlicher Integration. Zur Transformation Sozialer Arbeit“]

2026

i.E.: Inklusion und Partizipation in der Kinder- und Jugendhilfe erforschen [erscheint in: Klein et al. (Hrsg.): Inklusive Kinder- und Jugendhilfe. Perspektiven sozial- und sonderpädagogischer Professionalität. Stuttgart: Kohlhammer; mit Alexandra Klein]

i.E.: Inklusive Kinder- und Jugendhilfe. Perspektiven sozial- und sonderpädagogischer Professionalität – eine Hinführung [erscheint in: Klein, Alexandra et al. (Hrsg.): Inklusive Kinder- und Jugendhilfe. Schnittstellen sozial- und sonderpädagogischer Professionalität. Stuttgart: Kohlhammer; mit: Alexandra Klein, Bettina Ritter, Stephanie Langer]

i.E.: Antiziganismus [erscheint in: Thole, Werner/Höblich, Davina/Ahmed, Sarina (Hrsg.): Taschenwörterbuch Soziale Arbeit. 3. durchg. u. erg. Aufl., Stuttgart: utb]

2023

Identitäten, Affekte und Begehren – Psychoanalytische Potenziale für die erziehungswissenschaftliche Rassismustheorie und -forschung. [erschienen in: Zeitschrift für erziehungswissenschaftliche Migrationsforschung, Jg. 2, Heft 1; mit Marie Frühauf]

2021

Gewöhnliche Unterscheidungen – Antiziganistische Stereotypisierungen in Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. [erschienen in: Widersprüche. Zeitschrift für sozialistische Politik im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich. Jg. 41, Heft 162]

2019

Angegriffene Identitäten – Eine Annäherung an das Bedrohliche innerhalb antiziganistischer Stereotype. [erschienen in: Hasenjürgen, Brigitte/Spetsmann-Kunkel, Martin (Hrsg.): Kulturalisierungsprozesse in Bildungskontexten. Baden-Baden: Nomos]

An Empirical Perspective on the Concept of Mental Health Literacy in the Field of Families with parental Mental Illness. [erschienen in: Bauer, Ullrich et al. (Hrsg.): International Handbook of Health Literacy – research, practice and policy across the lifespan. Bristol: Policy Press; mit Dirk Bruland und Patricia Wahl]

2018

Die Arbeit der Geschlechter – Neue Wege und tradierte Pfade. Eine Einleitung. [erschienen in: Engel et al. (Hrsg.): Die Arbeit der Geschlechter – Neue Wege und tradierte Pfade: Dokumentation der Wissenschaftlerinnen-Werkstatt der Promovierenden der Hans-Böckler-Stiftung. Online unter: DuEPublico; mit Sonja Engel, Marie Frühauf und Janina Glaser]

2017

‚Sie waren so unzivilisiert, haben sich ihre Hände an den Gardinen abgewischt‘ – Antiziganistische Stereotypisierungen in Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. [erschienen in: Bilgi, Oktay/Frühauf, Marie/Schulze, Kathrin (Hrsg.): Widersprüche gesellschaftlicher Integration. Zur Transformation Sozialer Arbeit. Wiesbaden: VS-Verlag]

Widersprüche gesellschaftlicher Integration. Zur Transformation Sozialer Arbeit – Eine Einleitung. [erschienen in Bilgi, Oktay/Frühauf, Marie/Schulze, Kathrin (Hrsg.): Widersprüche gesellschaftlicher Integration. Zur Transformation Sozialer Arbeit. Springer VS; mit Oktay Bilgi und Marie Frühauf]

2014

Das Netzwerk „Junge Wissenschaft der Sozialen Arbeit“ als Förderung der ‚eigenen‘ Stimme [erschienen in: Erziehungswissenschaft. Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft, Jg. 25, Heft 48; mit Sarah Henn]

2013

Soziale Arbeit und ihr empirischer Blick auf die ‚Gekreuzten‘. Anmerkungen zu der Ausgabe „Gekreuzt?!“ [erschienen in: Widersprüche. Zeitschrift für sozialistische Politik im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich, Jg. 33, Heft 130/2013; mit Marie Frühauf]

„Ganztagsschule oder Jugendarbeit?“ – Von pädagogischen Gegenorten und Differenzmarkierungen im Kontext non-formaler Bildung [erschienen in: jugendhilfe, Jg. 51, Heft 4; mit Fabian Kessl]


Kritik, Rezeption, Reflexion – Qualitativ forschen in Herrschaftsverhältnissen

Ausgehend von der Diagnose zunehmender Autoritarisierung untersucht das Projekt die Bedingungen herrschaftskritischer qualitativer Forschung. Es fragt nach den epistemischen, institutionellen und sozialen Voraussetzungen kritischer Wissensproduktion sowie nach Formen der Zusammenarbeit und Solidarisierung, die diese unter veränderten politischen und wissenschaftlichen Rahmenbedingungen ermöglichen und stärken. Im Rahmen interdisziplinärer Werkstattgespräche werden diese Perspektiven gemeinsam entwickelt und in einem Buchprojekt zusammengeführt.

Projektleitung gemeinsam mit Dr. Lukas Kammerlander (Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Laufzeit: 01.08.2026 – 30.06.2028

Fördergeber: Rhein-Main Universitäten, Förderlinie: Early Career Researchers – Wissenschaftler*innen in der frühen Karrierephase

Forschungszusammenhang: Selbstvertretungen unter Bedingungen mehrdimensionaler und intersektionaler sozialer Ungleichheiten

Selbstvertretungsinitiativen gelten als Ausdruck demokratischer Teilhabe und kollektiver Artikulation. Der multimethodische Forschungszusammenhang, in dem aktuell zwei Teilprojekte angesiedelt sind, geht übergeordnet der Frage nach, unter welchen Bedingungen Selbstvertretung im Hilfesystem möglich wird, wer Zugang zu entsprechenden Räumen erhält, wessen Perspektiven sichtbar und wirksam werden und welche Forderungen institutionelle Resonanz erzeugen. Dabei werden Selbstvertretungen als ambivalente soziale Räume verstanden, in denen Prozesse von Öffnung und Schließung, Anerkennung und Ausschluss, Teilhabe und Marginalisierung gleichzeitig wirksam werden.

Projektbeteiligte: Alexandra Klein, Stephanie Langer und Kathrin Schulze

Laufzeit: 2025 – 2028

Aktuelle Publikationen und Vorträge aus dem Projektzusammenhang

Klein, A., Langer, S. & Kaddour-Dugonjic, A. (2025). Excluded voices in inclusive child and youth welfare services. European Journal of Social Work, 28(4), 835-846. https://doi.org/10.1080/13691457.2024.2438216

The voices of social work service users in Germany are getting increasingly prominent. The recent developments in the Child and Youth Welfare Act (SGB VIII) illustrate that participation, self-organisation, and self-representation rights are receiving heightened attention. Simultaneously, questions regarding the requirements, conditions, and possibilities of self-organisation have received relatively minuscule attention so far. Who has the means and opportunities for self-organisation under which conditions? How are social closure processes of significance? What consequences does it have for service users? What insights can we gain at the intersection of social work and special education? In this article, we seek to explore these questions. Initially, we take a journey through history, shedding light on the question of the virulence of social closure and usurpation processes within user movements. Based on this historical recapitulatory overview and repositories of paradigms and theories on social inequality, we take a look at current transformations in the voices of service users within the social services system. Through interviews with self-advocates in child and youth welfare and disability assistance services, and the analysis of official documents from self-advocacy organisations, we illustrate the capacity for a redirection of attention on the voices of service users guided by closure theory.

Schulze, K. (2026): Umkämpftes Wissen. Epistemische Gewalt und die Anerkennung von Erfahrungen in sozialpädagogischen Wissensordnungen: In: Kommission Sozialpädagogik (Hrsg.): Forsch(end)e Sozialpädagogik. Weinheim u. Basel: Beltz Juventa.

Der Beitrag untersucht die Bedingungen epistemischer Anerkennung in sozialpädagogischen Wissensordnungen und fragt danach, wie Erfahrungen und Wissensansprüche von Adressatinnen anerkannt, marginalisiert oder delegitimiert werden. Am Konflikt zwischen der Bürgerrechtsbewegung der Sintizze und Romnja und Akteurinnen Sozialer Arbeit wird rekonstruiert, wie sich epistemische Gewalt in der Hervorbringung und Stabilisierung professionellen Wissens manifestiert. Abschließend wird mit der Denkfigur „Sozialer Arbeit als ‚Offenes Archiv‘“ (Maurer 2017) eine Perspektive auf die kritische Reflexion historisch sedimentierter Ausschlüsse entwickelt.

Teilprojekt I: Un_Zugänglichkeiten von Selbstvertretung in der Kinder- und Jugendhilfe verstehen. Partizipatives Forschungsprojekt gemeinsam mit dem LJHR Rheinland-Pfalz (ZUGPARTI)

Vor dem Hintergrund aktueller gesetzlicher Reformen, insbesondere der Novellierung des Achten Sozialgesetzbuchs (SGB VIII), wird die Stärkung von Selbstvertretungsstrukturen in der Kinder- und Jugendhilfe politisch und institutionell vorangetrieben. Zugleich bleiben aus ungleichheits- und partizipationstheoretischer Perspektive zentrale Fragen der gegenwärtigen Transformationsprozesse bislang weitgehend ungeklärt: Inwiefern erleben sich junge Menschen durch bestehende Selbstvertretungsstrukturen (nicht) repräsentiert? Wie zugänglich oder unzugänglich sind diese Strukturen aus ihrer Perspektive – insbesondere für Kinder und Jugendliche, die selbst nicht in Selbstvertretungsorganisationen organisiert sind? Bislang fehlt zudem empirisches Wissen darüber, welche Bedeutung mehrdimensionale soziale Ungleichheitsverhältnisse – etwa im Zusammenhang mit Migration und Behinderung – für Zugänge zu und für die Wahrnehmung von Selbstvertretung im Feld der Kinder- und Jugendhilfe haben.

Diese Wissenslücken adressiert das partizipative Forschungsprojekt ZUGPARTI, das gemeinsam mit dem Landesjugendhilferat Rheinland-Pfalz (LJHR) als Selbstvertretung von jungen Menschen in stationären Wohnformen und betreutem Wohnen entwickelt wurde.

Insbesondere in Gruppengesprächen und Workshops mit (nicht)-organisierten Kindern und Jugendlichen in stationären Settings werden drei zentrale Fragen bearbeitet:

  1. Welche Relevanz messen die jungen Menschen Selbstvertretung zu?
  2. Wie erleben sie die bestehenden Strukturen?
  3. Welche Zugangswege, Repräsentationslücken und Barrieren werden sichtbar?

So versuchen wir herauszufinden, inwiefern Selbstvertretungsstrukturen dazu beitragen können Zugänge für (mehrfach) marginalisierte Kinder und Jugendliche zu eröffnen.

Projektbeteiligte: LJHR Rheinland-Pfalz, Alexandra Klein, Kathrin Schulze und Soraya Lebenstedt

Laufzeit: 2026 – 2028

Aktuelle Publikationen und Vorträge aus dem ZUGPARTI Projekt

Schulze, K. & Klein, A. (2026). Von Beteiligung und epistemischer Teilhabe. Partizipative und inklusive Forschung im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe. In A. Klein u.a. (Hrsg.), Inklusive Kinder- und Jugendhilfe.  Kohlhammer

Inklusion und Partizipation gelten als zentrale Leitbegriffe der aktuellen SGB VIII-Reform und der damit einhergehenden sich transformierenden Kinder- und Jugendhilfe. Während die Herausforderungen einer inklusiven Ausgestaltung der Kinder- und Jugendhilfe im Fachdiskurs intensiv diskutiert werden, bleiben die forschungsbezogenen Implikationen dieser Entwicklung bislang eher randständig. Der Beitrag greift dieses Desiderat auf und fragt, wie sich die Leitbegriffe Partizipation und Inklusion forschungsethisch, epistemologisch und methodologisch fruchtbar machen lassen, insbesondere im Hinblick auf die Erweiterung von Repräsentation, epistemischer Teilhabe und kategorialer Reflexion im Feld der Kinder- und Jugendhilfeforschung. An der Schnittstelle sozial- und sonderpädagogischer Forschung wird deutlich, dass die Weiterentwicklung einer forschungskritischen Perspektive auf Inklusion und Partizipation zentrale Voraussetzungen für eine adäquate Auseinandersetzung mit der erweiterten Adressat:innenschaft der Kinder- und Jugendhilfe darstellt.

Teilprojekt II: Selbstvertretungserfahrungen junger Menschen mit Behinderung im Kontext der inklusiven Kinder- und Jugendhilfe

Mit der inklusiven Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe im Zuge der SGB-VIII-Reform verändern sich nicht nur institutionelle Zuständigkeiten, sondern auch die Bedingungen, unter denen Selbstvertretung organisiert, anerkannt und in fachliche sowie sozialpolitische Entscheidungsprozesse einbezogen werden soll. Die Zusammenführung der Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe wirft damit zugleich Fragen nach dem Verhältnis unterschiedlicher Traditionen des institutionellen Einbezugs von Selbstvertretung auf. Während Selbstvertretungsstrukturen im Feld der Eingliederungshilfe seit Langem etabliert sind und über vielfältige Erfahrungen kollektiver Interessenvertretung verfügen, gewinnt ihre institutionelle Verankerung in der Kinder- und Jugendhilfe erst im Zuge der aktuellen Reformprozesse verstärkt an Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund richtet das Forschungsprojekt den Blick auf Selbstvertretungszusammenhänge junger Menschen mit Behinderung an der Schnittstelle von Kinder- und Jugendhilfe und Eingliederungshilfe. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie junge Menschen mit Behinderung das Verhältnis von Selbstvertretungsinitiativen und Institutionen des Hilfesystems sowie die Möglichkeiten und Grenzen ihrer Einflussnahme und der Resonanz ihrer Anliegen erleben. Zugleich wird Selbstvertretung aus repräsentationskritischer und intersektionaler Perspektive als gesellschaftlich situierter Aushandlungsraum verstanden, in dem unter Bedingungen gesellschaftlicher Macht- und Ungleichheitsverhältnisse die Anerkennung von Erfahrungen, die Legitimität von Sprecher:innenpositionen und Repräsentationsansprüche ausgehandelt werden.

Vor diesem Hintergrund verfolgt das Forschungsprojekt in Einzelinterviews und Gruppengesprächen folgende forschungsleitende Fragen:

  1. Wie erleben junge Menschen mit Behinderung das Verhältnis von Selbstvertretung und Institutionen des Hilfesystems sowie die Möglichkeiten und Grenzen von Einflussnahme und Resonanz?
  2. Wie werden in Selbstvertretungszusammenhängen Erfahrungen, Forderungen und Repräsentationsansprüche unter Bedingungen gesellschaftlicher Macht- und Ungleichheitsverhältnisse ausgehandelt?
  3. Wie wirken Macht- und Ungleichheitsverhältnisse in Selbstvertretungszusammenhängen und die institutionelle Ausgestaltung ihres Einbezugs darauf ein, welche Erfahrungen und Forderungen anerkannt und welche Möglichkeiten legitimen Sprechens eröffnet oder begrenzt werden?

Projektbeteiligte: Kathrin Schulze, Stephanie Langer & Anoushka Kreis

Laufzeit: 2026-2028

Aktuelle Publikationen und Vorträge aus dem Projekt

Schulze, K. (2026): Selbstvertretung unter Bedingungen epistemischer Gewalt. Annäherungen an die Kinder- und Jugendhilfe als kolonial-moderne Wissensformation. Vortrag im Symposium „Spannungsfelder des Epidemischen. Sozialpädagogische Verhältnisse als epistemische Praxis“ auf dem DgfE-Kongress am 24.03.2026 in München.

Der Vortrag untersucht die Institutionalisierung von Selbstvertretung in der Kinder- und Jugendhilfe aus der Perspektive epistemischer Gewalt. Ausgehend von einer post- und dekolonialen Perspektive wird die Kinder- und Jugendhilfe als historisch sedimentierte Wissensordnung analysiert, die strukturiert, welche Erfahrungen, Wissensbestände und Formen der Artikulation als legitim und anerkennungsfähig gelten. Vor diesem Hintergrund fragt der Vortrag nach der Ambivalenz der rechtlichen Stärkung von Selbstvertretung: Sie eröffnet neue Möglichkeiten der Artikulation und Einflussnahme, kann zugleich aber bestehende epistemische Ausschlüsse reproduzieren, indem bestimmte – insbesondere prekäre, situative oder institutionell wenig anschlussfähige – Formen der Selbstvertretung weniger Anerkennung erfahren.

Langer, S. (2026): Epistemische Ordnungen im Feld der frühen Bildung, Betreuung und Erziehung.
Vortrag im Symposium „Spannungsfelder des Epidemischen. Sozialpädagogische Verhältnisse als epistemische Praxis“ auf dem DGfE-Kongress am 24.03.2026 in München.

Der Vortrag untersucht epistemische Anerkennungs- und Machtverhältnisse in der frühen Bildung, Betreuung und Erziehung. Anhand einer ethnografischen Feldvignette und des Konzepts der epistemischen Ungerechtigkeit wird analysiert, wie Kindern in pädagogischen Interaktionen Deutungshoheit und der Status als Wissenssubjekte zu- oder aberkannt werden. Im Zentrum steht die Frage, wie generationale Machtverhältnisse und pädagogische Deutungsmacht die Agency von Kindern strukturieren und damit die Bedingungen ihrer Partizipation begrenzen oder erweitern.

Selbstorganisation und Selbstvertretung junger Menschen in der Kinder- und Jugendhilfe. Initiative für die Etablierung eines Forschungsnetzwerks im RMU-Verbund (mit Dr. Kevin Stützel; Goethe-Universität Frankfurt am Main) | Rhein-Main Universitäten, Förderlinie: Early Career Researchers – Wissenschaftler*innen in der frühen Karrierephase | Laufzeit: 01.01.2025 – 31.12.2025, Plakat


Dissertationsprojekt: „Antiziganismus in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Ethnographische Erkundungen des ‚Eigenen‘ im ‚Anderen‘“ | Bergische Universität Wuppertal | Gutachter:innen: Prof. Fabian Kessl, Prof.in Gaby Flößer

Veröffentlichung der Studie: 

Schulze, Kathrin (2023): Antiziganismus in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Ethnographische Erkundungen des ‚Eigenen‘ im ‚Anderen‘. Bielefeld: transcript | Reihe: Beiträge zur kritischen Antiziganismusforschung.

Rezensiert von:

Stender, Wolfram (2023): Rezension zu: Schulze, Kathrin (2023): Antiziganismus in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Ethnographische Erkundungen des ‚Eigenen‘ im ‚Anderen‘. Bielefeld: transcript. In: socialnet Rezensionen.

Doğmuş, Aysun (2024): Rezension zu: Schulze, Kathrin (2023): Antiziganismus in der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Ethnographische Erkundungen des ,Eigenen‘ im ,Anderen‘. Bielefeld: transcript. In:  Zeitschrift für Qualitative Forschung, 25(1), 150-153.



Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE)
Gesellschaft für Antiziganismusforschung (GfA)
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA)


Zeitschrift für erziehungswissenschaftliche Migrationsforschung (ZeM), Budrich Journals
Social Work and Society (SW&S); International Online Journal


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