Projekte

Angekommen in Mainz? Eine Analyse sozialer Unterstützungsprozesse in den Lebenswelten von jungen Flüchtlingen

Förderinstitution: Forschungsförderung des Instituts für Erziehungswissenschaft, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Projektleitung: Caroline Schmitt
Laufzeit: 01.02.2016 – 31.12.2016

Das Forschungsprojekt analysiert die Lebenswelten von jungen Flüchtlingen in Mainz und Umgebung unter der theoretischen Klammer der sozialen Unterstützung. Die eingenommene Perspektive betrachtet sowohl die (nicht) unterstützende Bedeutung individueller Netzwerke als auch gesellschaftliche Strukturen wie Institutionen, gesellschaftliche Diskurse, den Zugang zu Bildung oder rechtliche Regelungen, die sich unterstützend, einschränkend oder belastend in der Lebenswelt niederschlagen können (vgl. Schröer/Schweppe 2010). Die Fragestellungen lauten:

  • Welche professionellen Unterstützungsangebote gibt es für junge Flüchtlinge in Mainz und Umgebung?
  • Wie erleben Flüchtlinge die soziale Unterstützung durch Fachkräfte? Welche Personen, Instanzen und Formen sozialer Unterstützung sind für sie bedeutsam und welche Handlungsspielräume ergeben sich hieraus? Wo liegen Grenzen der sozialen Unterstützung?
  • Wie gestaltet sich die soziale Unterstützung von Flüchtlingen in Mainz aus der Perspektive des pädagogischen Fachpersonals? Welche Handlungsspielräume ergeben sich? Wo liegen Grenzen der sozialen Unterstützung?

Ziel des Projekts ist die Rekonstruktion der Bedeutung sozialer Unterstützungsformen in den Biografien und Lebenswelten der jungen Menschen. Dabei ist insbesondere relevant, welche sozialen Unterstützungsprozesse die Handlungsmächtigkeit (Agency) der Flüchtlinge stärken und zu einer Stabilisierung des Lebensalltags führen. Die Erhebung setzt sich aus ExpertInneninterviews mit Fachkräften und narrativen Interviews oder informellen Gesprächen mit jungen Flüchtlingen sowie teilnehmenden Beobachtungen in Institutionen der Fluchthilfe zusammen. Die Auswertung erfolgt je nach Erhebungsmethode mit Hilfe von kategorialen oder sequenzanalytischen Verfahren.

Dissertationsprojekt „Migrantische Ökonomien zwischen sozialer Ausgrenzung und gesellschaftlicher Inkorporation – eine qualitativ-empirische Studie zu Afro Hair Salons in Deutschland“

Förderinstitution: Promotionsstipendium des Research Center of Social and Cultural Studies Mainz (SOCUM), Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Laufzeit: 2010 – 2014

Existenzgründungen von MigrantInnen nehmen in Deutschland stark zu. Zugleich sind Herausforderungen, die sich migrantischen UnternehmerInnen vor, während und nach der Gründung stellen, bislang nur wenig erforscht. Die qualitativ-empirische Studie widmet sich Afro Hair Salons – einem spezifischen Zweig migrantischen Unternehmertums. Diese Friseursalons sind auf Haarstile spezialisiert, welche in afrikanischen Ländern und afroamerikanischen Communities entstanden sind. Die Untersuchung fragt danach, wie Afro Hair Salons eines urbanen Raums in gesellschaftliche Strukturen in Deutschland eingebunden sind, wie sich Afro Hair Salonbetreibende mit ihren Salons erleben und welche Strategien sie zum Aufbau und Erhalt ihrer Unternehmen entwickeln. Sie zeigt die Perspektiven und Wirklichkeitskonstruktionen der Salonbetreibenden und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland auf, in denen Afro Hair Salons agieren.
Die Erhebung folgte einem ethnografischen Design und umfasste qualitative Interviews, informelle Gespräche, Beobachtungen und die Sammlung alltagsgegenständlichen Materials. Das Material wurde mit Verfahren der Objektiven Hermeneutik und des wissenschaftlichen Quellentexts ausgewertet. Die Untersuchung rekonstruiert, dass sich Afro Hair Salons ebenso wie ihre BetreiberInnen in einer ambivalenten Situation des Dazwischens – zwischen sozialer Ausgrenzung und einer partiellen gesellschaftlichen Inkorporation – befinden. In die institutionellen Berufsstrukturen sind Salons und BetreiberInnen nur marginal eingebunden und erleben sich als nicht anerkannt; in medialen Repräsentationen in Deutschland werden sie exotisiert und eine historische Abwertung von Afrohaar und Afrohaarstilen zur Kolonialzeit wirkt bis heute nach. Die Salonbetreibenden streben danach, mit ihrem Beruf und ihrer Expertise als Teil der Gesellschaft in Deutschland wahrgenommen und wertgeschätzt sowie in die ökonomischen Strukturen wie die Handwerkskammern inkorporiert zu sein. Um diesem Streben Ausdruck zu verleihen, etablieren sie Strategien, die von der Formierung eines transnationalen ExpertInnenwissens über die Öffentlichmachung des Berufprofils bis hin zu dem Versuch reichen, die binären Schemata von „Black“ und „White“ Salon zu überwinden und ein heterogenes Publikum zu adressieren. Die Ergebnisse münden in eine Typologie zum Umgang der migrantischen UnternehmerInnen mit sozialer Ausgrenzung. Herausforderungen und Anforderungen, die sich infolge der Erkenntnisse für die Soziale Arbeit stellen, sind die Überwindung ausgrenzender Gesellschaftsstrukturen, die Stärkung der AkteurInnen in ihren Handlungsmächtigkeiten sowie eine Transformation von Diskursen, die migrantische UnternehmerInnen als „Andere“ und „nicht Zugehörige“ positionieren.

Mitarbeiterin im Projekt „Transnationales Aufwachsen namibischer Flüchtlingskinder zwischen SWAPO- und DDR-Erziehung - eine biografisch-ethnografische Studie“ am Lehrstuhl Prof. Dr. Witte

Förderinstitution: Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Laufzeit: 01.07.2013 - 31.03.2015; DFG-Antrag in Vorbereitung.

Mitarbeiterin im Projekt „Jugend in der Krise? Jugendliche Bewältigungsstrategien im Umgang mit der Finanz- und Wirtschaftskrise in Europa“ am Lehrstuhl Prof. Dr. Witte

Förderinstitution: Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Laufzeit: 01.07.2014 - 30.06.2015